[ANDREA HILDEBRANDT]
FIGHT OF POWERS 2009/2010
Beutezug [Kurz bevor der Wolf kommt], 2009, gouache, acryl on canvas, 80 x 90 cm

Untitled, 2009, gouache, acryl on canvas, 50 x 70 cm
[...] Die Wirkung der großformatigen Landschaftsbilder aus der Serie Fight of Powers [...] ist wie ein Pendel, das zwischen Schönheit und Schrecken schwankt. In Conquerer sieht man eine in Rüstung und Harnisch verpanzerte Figur auf einem Pferd von links schräg in den Bildraum hineinreiten, während sich im Hintergrund eine feurige Explosion ereignet. Im vorderen Bildraum liegt eine paradiesische Landschaft, doch sie reicht nur bis zu jener Grenze, zu welcher der Eroberer noch nicht vorgedrungen ist, denn er hinterlässt eine Spur der Zerstörung. Ein giftgrüner Drache steigt wie ein Phantom aus der Asche hinter dem Eroberer hervor und droht ihn zu verschlingen. Der Mensch ist nicht mehr Teil der Natur, er ist ein von ihr abgespaltenes Wesen. Das Natürliche, das er verloren hat, bekämpft er nun in der äußeren Welt. Er ist damit nicht nur zu einem Beherrscher der Natur, sondern zu einem erbitterten Gegner seiner selbst geworden.
Eine ähnlich märchenhafte Stimmung mit unheimlichem Einschlag vermittelt Beutezug, kurz bevor der Wolf kommt. Auf einer saftig grünen Waldlichtung sieht man weiße Hasen herumhoppeln. Im Vordergrund zwei Menschen in Hasenanzügen, einer trägt ein Fangnetz, er ist wohl der Wolf im Hasenpelz. Rauchschwaden am Horizont kündigen ein nicht näher definiertes, [...] zerstörendes Ereignis an. Auf dem Bild Im Wald sehen wir einen Menschen in gebeugter Haltung, der auf einer eisblauen Fläche steht, bei der es sich nur um einen zugefrorenen See handeln kann. Er hat sich gebückt, um Pilze zu sammeln. Rings um den See sehen wir einen blätterlosen Wald, das saftig grüne Schilfgras hingegen hat seine Farbe wie im Sommer. Im Hintergrund erkennt man riesenhafte, rote Pilze –, sowie unscharf dahinter lauernde Ungeheuer. Auch hier handelt es sich um den Zusammenfall von Idyll und Bedrohung. Das romantische Naturbild entsteht also neu und zeigt den Menschen als Zerstörer oder als Gefangenen der Natur, als ihr naives Opfer. [...]
Wien im April 2011.
Text: Sana Böswirth [Kunsthistorikerin MA]